| Das Doppelherzogtum
Sachsen-Coburg und Gotha
Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld
konnte im Rahmen des Erbteilungsver-trages von 1826 Anspruch auf Sachsen-Gotha
erheben, denn er war mit Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg,
der einzigen Erbin dieses Herzogtums, verhei-ratet. Im Zuge dieser Teilungspolitik
wurde der Landesteil Saalfeld des Herzogtums Coburg dem Herzogtum Sachsen-Meiningen
zugeteilt, während aus dem Landesteil Altenburg des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg
das neue Herzogtum Sachsen-Altenburg gebildet wurde.
Herzog Ernst I. wurde somit
zum Begründer des Doppelherzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, das unter
anderem im 19. Jahrhundert mit den nachfolgend genannten Herrscherhäusern
in Verbindung trat, wobei diese Dynastien teilweise bis in die Gegenwart
bestehen:
Die Heiratspolitik des Herzogtums
nahm seinen Anfang 1796, als die Schwester Her-zogs Ernst I., Juliane,
den Sohn des russischen Zaren Paul I., Großfürst Constantin
Paulowitsch, heiratete. Leider wurde die Ehe 1820 endgültig geschieden
und ihr Exgatte verzichtete 1825 auf den Zarenthron als Nachfolger von
Zar Alexander I..
Am 2. Januar 1816 heiratete
der jüngere Bruder Ernsts I., Ferdinand, Maria Antonia, die Tochter
des ungarischen Titularfürsten Franz Joseph Kohary und begründete
somit den in Österreich lebenden katholischen Zweig des Hauses Sachsen-Coburg
und Gotha. Vertreter dieses Hauses bestiegen unter anderem die Throne von
Brasilien, Portugal und Bulgarien, wobei der letzte Zar von Bulgarien gegenwärtig
als Ministerprä-sident seines Landes amtiert.
Am 2. Mai 1816 heiratete
der jüngste Bruder Ernsts I., Leopold, die Tochter des engli-schen
Königs Georg IV., Kronprinzessin Charlotte. Diese erste Verbindung
des Hau-ses Coburg und Gotha mit dem englischen Königshaus hatte nur
kurze Zeit Bestand, da die Kronprinzessin bei der Geburt ihres ersten
Kindes am 6. November 1817 starb.
Nach der Wahl durch die
belgische Nationalversammlung 1831 nahm Leopold den Titel „König
der Belgier“ an und stellte durch seine Heirat mit Louise Marie, Tochter
des Bürgerkönigs Louis Phillippe, eine Verbindung zum Hause Bourbon-Orleans
her.
König Albert von Belgien
ist ein direkter Nachkomme Leopolds.
Die jüngste Schwester
von Herzog Ernst I., Viktoria, hatte 1818 Herzog Eduard von Kent geheiratet
und gebar 1819 eine Tochter Viktoria, welche 1837 als englische Königin
den Thron bestieg. Seit 1877 war sie außerdem Kaiserin von Indien.
Als Herrscherin des britischen Weltreiches regierte sie bis 1901 und begründete
damit das „Viktorianische Zeitalter“.
1840 heiratete sie ihren
Cousin Albert, den zweiten Sohn Herzogs Ernst I., mit dem sie 9 Kinder
hatte. Ihre Kinder bestiegen verschiedene Throne in Europa, wozu neben
dem von Großbritannien auch der des Großherzogtums Hessen-Darmstadt
sowie der des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha gehörten. Außerdem
stellten sie verwandt-schaftliche Beziehungen zu vielen Herrscherhäusern
her, so war Viktoria unter anderem die Tante des letzten Deutschen Kaisers
Wilhelm II..
Königin Viktoria und
Prinzgemahl Albert sind auch die Ururgroßeltern der gegenwärtig
in Großbritannien regierenden Königin Elisabeth II. sowie des
derzeitigen Chefs des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha, des Prinzen Andreas.
Prinz Andreas ist der Enkel des letzten Herzogs von Sachsen-Coburg und
Gotha, Carl Eduard.
Carl Eduard ist ein Enkel
von Königin Viktoria. Seinen Namen trägt der Aussichtsturm bei
Elgersburg.
Herzog Carl Eduard ist außerdem
der Großvater des gegenwärtig regierenden Königs von Schweden
Carl XVI. Gustaf.
Dr. B. Knabe, Geraberg
Quelle: Bachmann in Coburger Geschichtsblätter
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